Projektabschluß – Dialogforum – Newroz Empfang

Projektabschluß – Dialogforum – Newroz Empfang

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Menschen fliehen nicht grundlos nach Europa. Deshalb ist ein Bleiberecht für alle Geflüchteten anzustreben. Diese und weitere Thesen zur europäischen Flüchtlingspolitik diskutierten die etwa 100 Teilnehmer_innen des Newroz-Empfangs, der am Abend des 17. März 2016 unter der Schirmherrschaft von Cem Özdemir, dem Bundesvorsitzender von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN im Studio Я des Maxim Gorki Theaters in Berlin stattfand.

Newroz, was „Neuer Tag“ bedeutet, ist ein Fest, mit dem Kurd_innen am 21. März das neue Jahr begrüßen und steht symbolisch für einen „Neuanfang“. Ein Neuanfang, auf den auch die Menschen hoffen, die vor Not, Unterdrückung und Krieg nach Europa fliehen. Um diesen Neuanfang für geflüchtete Kinder- und Jugendliche gewährleisten zu können, muss das Kindeswohl an oberster Stelle stehen, was Laser Etdöger, der Bundesvorsitzende des Kurdischen Kinder- und Jugndverbandes KOMCIWAN e.V. in seiner Eröffnungsrede erläuterte:

„Viele politische Entscheidungen der letzten Jahre widersprechen der UN-Kinderrechtskonvention. Seien es gesundheitliche und rechtliche Rahmenbedingungen oder die schlechte Unterbringung dieser Kinder und Jugendlichen. Wir fordern eine gleichberechtigte Teilhabe dieser jungen Menschen um Bedingungen zu schaffen, die eine freie Entfaltung ermöglichen.“

Eine Forderung, die von den Teilnehmer_innen des einjährigen Projektes „Escape Europe – Kurdische Jugendliche machen sich stark für mehr Mitspracherecht an der Europäischen Flüchtlingspolitik“ erarbeitet wurde. Das Projekt, in dem sich Jugendliche mit und ohne kurdische Wurzeln in drei Bildungsmaßnahmen zu Fragen der Flüchtlingspolitik und Flüchtlingshilfe informierten, zielte darauf ab, junge Menschen in die politischen Prozesse einzubinden, welche die europäische Flüchtlingspolitik bestimmen. Der Newroz-Empfang bildete die Abschlussveranstaltung des Projekts Escape Europe, weshalb die Projektteilnehemer_innen aktiv mit in die inhaltliche Gestaltung, Planung und Umsetzung des Empfangs mit eingebunden waren, die vom Kurdischen Kinder- und Jugendverbandes – KOMCIWAN e.V. gemeinsam mit dem Kurdistan Kultur- und Hilfsverein e.V. und KOMKAR – Verband der Vereine aus Kurdistan in Deutschland e.V. getragen wurde.

Nach den Eröffnungsreden von Laser Etdöger und Rohat Geran, dem Vorsitzenden von KOMKAR e.V., verlasen Schauspieler_innen zur Einstimmung in die Thematik Statements von Politiker_innen zur aktuellen Flüchtlingspolitik, die zum Nachdenken anregten. Es folgte eine Podiumsdiskussion zum Thema „Neuanfang – politische Beteiligung junger Migrant_innen“ bei der Bahar Alamin, eine junge geflüchtete Projektteilnehmerin und Tobias Köck, der stellvertretende Vorsitzende des Deutschen Bundesjugendrings (DBJR) über die Bedürfnisse und Möglichkeiten der politischen und gesellschaftlichen Teilhabe junger Geflüchteter diskutierten.

Im Anschluß wurde der Animationsfilm „Alans Weg in die Freiheit“ präsentiert, den die Teilnehmer_innen in einem Projektworkshop erstellt hatten. Er zeichnet die Fluchtgeschichte eines Projektteilnehmers aus seiner Heimatstadt Kobanê in Südwestkurdistan nach Bremen nach und bot den Gästen einen Einblick in die Fluchtrealität junger Menschen.

Dann war der Zeitpunkt gekommen, auf den die Projektteilnehmer_innen sich mithilfe der Bildungsmaßnahmen inhaltlich vorbrereitet hatten. An Thementischen, die mit Diskussionsfragen bestückt waren, diskutierten sie ihre Forderungen und Handlungsempfehlungen an die Flüchtlingspolitik mit den geladenen Entscheidungsträger_innen und Expert_innen aus Politik und Flüchtlingshilfe. Aber auch im informellen Teil des Abends kam es zu einem regen Gesprächsaustausch unter den Teilnehmer_innen, bei dem zahlreiche Visitenkarten die Besitzer wechselten. Denn die Projektteilnehmer_innen hatten sich in einem Vorbereitungsseminar mit der Hilfe eines professionellen Kommunikationstrainers insbesondere auf den Small Talk mit Politiker_innen vorbereitet.

Abgerundet wurde der Abend mit einem Newroz-Feuer im Hinterhof des Theaters, um das zu Def û Zîrne-Musik getanzt, das aber auch der tradition entsprechend übersprungen wurde. Zum Ende gab es Raum für die Wünsche und Hoffnungen der Teilnehmer_innen, die sie auf farbigen Bändchen aufschrieben und an einem jungen Bäumchen befestigten, das mittlerweile im Garten des Kurdistan Hauses in Berlin gedeiht.

Nicht zuletzt Dank der gelungenen Moderation durch die freie Journalistin Zonya Dengî und dem hervorragenden musikalischen Rahmenprogramm der Sängerin Nûre mit ihrer Begleitung Veronika und den Musiker_innen Leyli und Co., wurde der Abend zu ein großen Erfolg.