WINTERAKADEMIE 2014

WINTERAKADEMIE

Die diesjährige KOMCIWAN-Winterakademie fand vom 25. – 30.12.2014 in Cuxhaven statt. Auch in diesem Jahr konnten wir uns über reges Interesse mit vielen Teilnehmer_innen aus Deutschland, der Schweiz, Frankreich sowie den Niederlanden erfreuen.Thematisch stand im diesem Jahr neben der kurdischen Kultur vor allem das Thema ,,Flüchtlinge“ im Vordergrund, was vor allem an der aktuellen Situation in Süd- und Westkurdistan liegt. Durch die Präsenz des Islamischen Staates sind zahlreiche Menschen zur Flucht gezwungen. Besonders stark betroffen sind die Jesiden, welche von den Anhängern des IS als ,,Teufelsanbeter“ angesehen und verfolgt werden. Die ist auch ganz im Sinne vom Jahresmotto 2015:
,,Weg in die Freiheit? Grenzenlos willkommen!“

 

Begonnen wurde traditionellerweise mit der Vorstellung des Programms und diversen Spielen zum Kennenlernen.Die folgenden Tage beinhalteten in der ersten Tageshälfte Bildungsseminare zu den Themen ,,Flüchtlingspolitik der EU“, ,,Entwicklung der kurdischen Presse in Nordkurdistan und der Türkei“, ,,kurdische Sprache und Sprachgeschichte“, ,,Antidiskrimierung“ sowie ,,Situation der jesidischen Flüchtlinge“.Das Seminar zur Flüchtlingspolitik wurde von Laser Etdöger, Sozialwissenschaftler und aktueller Bundesvorsitzender KOMCIWANs, gehalten. Inhaltlich standen vor allem die Abkommen und Verträge der EU seit dessen Gründung, welche dieses Thema betreffen, im Vordergrund mit besonderem Fokus auf die letzten 20 Jahre. Dabei setzte er sich auch mit der Politik von FRONTEX sowie den Dublin-Abkommen kritisch auseinander.

Anschließend berichtete Sedat Karakas, der über viel Erfahrung als Journalist verfügt und unter anderem mehrere Jahre als Chefredakteur bei der Azadî-Zeitung in Istanbul tätig war, über verschiedene kurdische Zeitungen und Zeitschriften, welche die kurdische Freiheitsbewegung entscheidend geprägt haben. Weiter wurde auf die Geschichte kurdischer Presse eingegangen sowie die kurdische Presse in Nordkurdistan in ihren zentralen Eigenschaften charakterisiert.

Weysî Amedî, ein Sprachkenner aus Paris, welcher an einer Universität Kurdisch lehrt, referierte am nächsten Tag über die kurdische Sprache sowie Sprachgeschichte. Dabei ging er auf viele Eigenheiten der regionalen Dialekte sowie Mundarten sowie auf viele Fragen des Publikums diesbezüglich ein.

Zum Thema ,,Antidiskriminierung“ wurde von Kathrin König, aktuelle Büroleiterin KOMCIWANs, ein interaktiver Vortrag vorbereitet, in welchem vor allem zwischen Stereotypen und Vorurteilen sowie Diskriminierung differenziert sowie Definitionen für diese Begriffe hergeleitet wurden.

Schließlich hielt Eskerê Boyîk, ein bedeutender kurdischer Dichter und Schriftsteller, einen Vortrag zum Jesidentum. Dabei wurden grundlegende Fakten sowie die Geschichte des Jesidentums beleuchtet sowie auf die Situation der jesidischen Flüchtlinge in Südkurdistan, welche vor einem Genozid durch den IS fürchten müssen, eingegangen.

In der zweiten Tageshälfte erarbeiteten die Teilnehmer in den ihnen zugeteilten Workshops zu den jeweiligen Themen Inhalte, welche dann zum Abschluss am letzten Abend präsentiert wurden. Dabei konnten die zwischen den Workshops ,,Flüchtlingshilfe“, ,,kurdische Sprache“, ,,Govend“, ,,Salsa“ und ,,Mitgliedergewinnung“ wählen.
Die ersten zwei genannten Workshops dienten als Intensivierung der jeweiligen Vorträge und wurden auch von den selben Referenten betreut. Im Workshop ,,Flüchtlingshilfe“ wurden vor allem die Flüchtlingspolitik in Südkurdistan, Italien, Schweden und Griechenland beleuchtet. Der Workshop zur kurdischen Sprache beinhaltete eine intensive Auseinandersetzung mit der Grammatik, Syntax und Schreibweise der kurdischen Sprache.

Im Workshop ,,Govend“ studierte Sedat Karakas, der in diesem Gebiet zu den besten Spezialisten in ganz Deutschland gehört, verschiedene kurdische Volkstänze aus verschiedenen Städten mit den Teilnehmern ein. Der Workshop ,,Salsa“ wurde von Cleyton de Souza, einem erfahrenen Salsa-Lehrer, betreut und beinhaltete einen Einblick in exotische, lateinamerikanische Tänze.

Im Workshop ,,Mitgliedergewinnung“, geleitet von Êvîn Kofli, langjähriges, aktives Mitglied und ehemalige Bundesvorsitzende KOMCIWANs, wurden Strategien für eine effektivere Gewinnung von Mitgliedern für die Vereinsarbeit sowie der Manifestierung einer Willkommenskultur für die Mitglieder entwickelt.

Das Programm wurde durch gemeinschaftliches Singen und Tanzen sowie durch zahlreiche Spiele in den Abenden komplettiert, in denen die Teilnehmer sich besser kennenlernen und ihrer Kreativität freien Lauf lassen konnten.

Schlussendlich können die Teilnehmer auf eine gelungene Winterakademie zurückblicken, auf der sie viel dazu gelernt, viele Bekanntschaften gemacht haben sowie viel mitnehmen.