Pressemitteilung zum Weltflüchtlingstag

 

Für eine humane Welt: Kein Mensch ist illegal!

Am 20. Juni jährt sich der 2001 von den Vereinten Nationen ausgerufene zentrale internationale Gedenktag für Flüchtlinge, auch bekannt als Weltflüchtlingstag. Neben zahlreichen Anteilnahmen und Aktivitäten in verschiedenen Staaten veröffentlicht der Hohe Flüchtlingskommissar der Vereinten Nationen (UNHCR) jährlich am 20. Juni durch den Global Trends Report die aktuellen Flüchtlingszahlen. Aus dem im letzten Jahr veröffentlichten Bericht geht hervor, dass die Zahl der Flüchtlinge, Asylsuchenden und Binnenvertriebenen im Jahre 2013 erstmals seit Ende des Zweiten Weltkriegs die Marke von 50 Millionen überschritten hat und Ende 2013 51,2 Millionen betrug, was einen dramatischen Anstieg um 6 Millionen im Vergleich zum Vorjahr bedeutete.[1]

Aufgrund des Einfalls des Islamischen Staates (IS) in den Irak und Südkurdistan sowie in Syrien und Westkurdistan sind dieses Jahr leider weitere Negativrekorde zu erwarten. Dort hat dieser weite Teile syrischen und irakischen Staatsgebietes besetzt und ein Kalifat ausgerufen, indem auf menschenverachtende Art und Weise eine radikale und pervertierte Auslegung des Islams rigoros durchgesetzt wird. Tausende Menschen anderen Glaubens, wie beispielsweise Jesid_innen und Christ_innen, wurden brutal ermordet, weil sie sich weigerten, sich dem IS und dessen Grundsätzen zu unterwerfen. Die Frauen wurden gefangen genommen und als Sklavinnen missbraucht oder weiterverkauft. Viele mussten aus Angst vor dem Anrücken des IS fliehen und verloren ihr Heim und Gut. Durch den unerschütterlichen Einsatz der Pêşmerge konnte gemeinsam mit den YPG-Einheiten der Vormarsch des IS zurückgedrängt werden. Jedoch ist die Situation nach wie vor heikel, daher ist eine aktivere Unterstützung des Kampfes gegen den IS seitens des Westens unabdingbar. Zudem müssen die Gefangenen aus den Händen des IS befreit werden und eine sichere Heimkehr und humane Lebensumstände für die Vertriebenen garantiert werden.

Viele der Flüchtlinge verlassen ihre Heimat jedoch auch in Hoffnung auf ein besseres Leben. Die meisten landen in den genauso armen Nachbarstaaten, welche mit dem hohen Flüchtlingsstrom hoffnungslos überfordert sind. Die Bereitschaft zur Flüchtlingsaufnahme ist in er EU sehr niedrig. Dies wird auch an deren Flüchtlingspolitik deutlich. Dank Dublin III muss ein Flüchtling, um einen Asylantrag für ein Leben in der EU zu stellen, erst einmal europäisches Festland erreichen. Legale Einwanderungswege gibt es jedoch keine. Daher bleibt den Flüchtlingen nichts anderes übrig, als auf Schlepperbooten ihr Leben zu riskieren, um EU-Territorium zu erreichen. Die Wenigen, die die Fahrt überleben, sehen sich mit Truppen der europäischen Grenzsicherungsagentur FRONTEX konfrontiert. Diese versuchen auf brutale Art und Weise, die Flüchtlinge aufzuhalten. Dabei kommt es zu zahlreichen, barbarischen Misshandlungen und sogar Todesfällen. Zudem werden alle Asylanträge automatisch dem ersten EU-Land zugewiesen, welches die entsprechende Person betrat. Dadurch kommt es zu einer hohen Belastung der ärmeren, südeuropäischen Länder und einer Ungleichverteilung innerhalb der EU.

All das und eine jährliche Fördersumme von 360 Millionen € durch die EU für FRONTEX machen deutlich, dass Flüchtlinge in Europa nicht willkommen sind. Wir als KOMCIWAN fordern daher einen Bruch mit der bisherigen Flüchtlingspolitik und die Abschaffung von FRONTEX. Darüber hinaus sind die Schaffung legaler Einwanderungswege und eine menschliche Behandlung von Flüchtlingen unabdingbar. Damit die Flüchtlingszahl nicht weiter ins Unermessliche steigt, müssen die Lebensbedingungen in Gebieten mit vielen Flüchtlingen drastisch verbessert werden. Auch hier fordern wir die EU zu mehr Einsatz auf.

Unserem Jahresmotto ,,Wege in die Freiheit? Grenzenlos Willkommen!“ entsprechend verlangen wir eine menschengerechte Flüchtlingspolitik. Kein Mensch ist illegal!

KOMCIWAN – Kurdischer Kinder- und Jugendverband e.V.

[1] http://www.unhcr.org/trends2013/