PE zum türkischen Kindertag

Aufruf zum Boykott des türkisch-nationalistischen Feiertags

Berlin, den 18.04.2015

Am 23. April konstituierte sich die von General Mustafa Kemal gegründete nationale Großversammlung der Türkei in Ankara. Seitdem wird dieser Tag in der Türkei offiziell als Feiertag der Nationalen Souveränität und des Kindes zelebriert.

Jahr für Jahr werden Militärparaden und so genannte ,,Kinderfeste“ organisiert, mit dem Ziel, diesen Tag in der Öffentlichkeit als internationales Fest der Kinder darzustellen. Jedoch trügt der Schein, da dieser Tag nichts mit dem propagierten friedlichen Charakter zu tun hat, den er angeblich haben soll. Vielmehr fungiert er als Symbol der Assimilationspolitik seitens des türkischen Staates, welche sich gegen jede andere Ethnie richtet. Eine Politik, die kurdischen, griechischen, armenischen oder weiteren nicht-türkischen Kindern deutlich macht, dass ihre Identität in der Türkei nicht willkommen ist und nicht ausgelebt werden darf.

Dies wird bereits in der Schule deutlich: Die Existenz anderer Volksgruppen in der Türkei wird in keinem Schulbuch erwähnt und auch nie behandelt. Auch der Unterricht in der Muttersprache ist in den Schulen nicht erlaubt. Von klein auf wird somit die Verleumdung indigener Völker gezielt forciert und deren Angehörigen eine fremde Identität aufoktroyiert. All das gipfelt dann am 23. April, dem Tag, an dem alle Kinder gezwungen werden, die türkische Nationalhymne zu singen und nationalistische Parolen wie ,,ein Türke kennt keinen anderen Freund als einen Türken“ auszurufen. Besonders Kinder anderer Volksgruppen werden gegen ihren Willen hierzu gezwungen. Jeglicher Protest wird hart sanktioniert, weshalb viele dieser Kinder unter dem Vorwand, die Ehre des Staates beleidigt zu haben, mit aberwitzig hohen Freiheitsstrafen bestraft und in den Gefängnissen brutal misshandelt werden.

Besonders deutlich wird die rassistische Intention dieses Tages an der Wahl des Datums. Mit diesem Datum wird bewusst an den Genozid an den Armenier_innen, Aramäer_innen, Assyrer_innen, Chaldäer_innen, Pontosgriech_innen und Jesid_innen erinnert. Dieser begann am 24. April 1915 und dauerte ein Jahr an. Insgesamt fielen den von den Jungtürken organisierten Gräueltaten 1,5 Millionen Menschen zum Opfer. Viele Experten bezeichnen ihn als ersten Genozid des 20. Jahrhunderts. Jedoch sieht die offizielle Politik des türkischen Staates bis heute die Leugnung dieses Genozids vor. Stattdessen wird am 23. April die Überlegenheit des Türkentums und der Türkei propagiert, eines Staates, der auf den Gräbern dieser Menschen erschaffen wurde. Am verwerflichsten ist hierbei jedoch, dass Kinder für rassistisches Gedankengut und Machenschaften instrumentalisiert werden. Daher sehen wir als KOMCIWAN diesen Tag als Hohn für alle Kinder auf der Welt und stellen uns entschlossen gegen die falsche Darstellung in der Öffentlichkeit. Wir fordern zudem die Aufklärung des wahren Motivs und die damit verbundene Abschaffung dieses Feiertages seitens der Türkei. Zudem muss sich der türkische Staat kritisch mit seiner eigenen Geschichte auseinandersetzen und andere Ethnien als gleichberechtigt anerkennen.

Anfang der Jahrtausendwende haben türkische Nationalisten durchgesetzt, dass das Fest auch in Deutschland gefeiert wird. Viele dieser haben Sympathien oder Verbindungen zu den grauen Wölfen oder anderen nationalistisch-faschistischen Organisationen. Das Fest wird in vielen Städten auf großen Plätzen (wie z.B. in Berlin am Brandenburger Tor) gefeiert und viele Politiker beteiligen sich daran und halten dort Reden, meist aus Unwissenheit, welches Motiv dieser Tag tatsächlich hat. Die Veranstaltungen werden sogar von Firmen gesponsert und von Sendern wie ARD, ZDF live übertragen. Daher appellieren wir an die Politiker, sich nicht an einer nationalistischen und fremdenfeindlich motivierten Veranstaltung wie dieser zu beteiligen. Des Weiteren fordern wir, dass diese nicht weiter finanziell gefördert oder öffentlich ausgestrahlt werden. Auch hier in Deutschland ist die Demaskierung des nationalistischen Tenors dieses Festes unabdingbar. Ein Fest, das die Unterwerfung anderer Ethnien postuliert, darf nicht unterstützt werden! Deshalb rufen wir als KOMCIWAN alle dazu auf, diesen Feiertag zu boykottieren!

KOMCIWAN – Kurdischer Kinder- und Jugendverband e.V.