PE zum 1. Mai

 

Für Gerechtigkeit und Frieden auf die Straße!

Tag der Arbeit – damit assoziieren wir heute den 1. Mai. Erstmals 1856 durch eine Massendemonstration zur Durchsetzung des 8-Stunden-Tags in Erscheinung getreten und 1889 offiziell proklamiert, dient er bis heute als Kampftag der Arbeiterbewegung, an dem diese die Arbeit niederlegt, um für ihre Rechte, Frieden, Gerechtigkeit und eine humane Welt einzustehen.

Vor allem Letzteres ist eine Forderung, von der wir traurigerweise weit entfernt sind. Das dramatische Kentern von Flüchtlingsbooten mit über 700 Toten in den letzten Tagen ist ein guter Indikator dafür. Leider ist diese Tragödie kein Einzelfall und wird immer mehr zur Regelmäßigkeit. Laut Amnesty International sind allein in diesem Jahr bereits 1700 Menschen auf dem Weg nach Europa im Mittelmeer gestorben oder wurden als vermisst gemeldet. Das entspricht jeder 14. Person, die das Mittelmeer mit Hoffnung auf ein besseres Leben überquerte. [1]

Auch die Ergebnisse des letzten EU-Sondergipfels lassen nicht auf eine Verbesserung der Flüchtlingspolitik Europas hoffen. Diese sieht die Abschreckung und Abschiebung von Flüchtlingen vor. Wegen Dublin III und des Fehlens einer Einwanderungsregelung werden sie gezwungen, auf Schlepperbooten ihr Leben zu riskieren. Die meisten der Wenigen, die europäisches Festland erreichen, werden zunächst von Truppen der europäischen Grenzsicherungsagentur FRONTEX brutal misshandelt und anschließend zurückgeschickt. Wir als KOMCIWAN fordern daher eine Abkehr von dieser menschenverachtenden Flüchtlingspolitik und die Abschaffung von dessen Initiator FRONTEX. Die Errichtung legaler Einwanderungswege und ein humaner Umgang mit Flüchtlingen sind unabdingbar. Langfristig müssen vor allem die Lebensbedingungen und die Zustände in den Ländern mit vielen Flüchtlingen verbessert werden, damit nicht noch mehr Menschen ihr Heim und ihre Familie verlieren. Diesbezüglich rufen wir die EU zu mehr Partizipation auf.

Doch auch die Situation der Flüchtlinge und Migrant_innen in Deutschland ist stark verbesserungswürdig. Häufig in eigene Viertel und Vororte gesteckt, wachsen sie sehr isoliert von der Gesellschaft auf und werden nicht in diese eingebunden. Dadurch werden vor allem die Jugendlichen in ihren Möglichkeiten stark eingeschränkt und können ihr Potenzial nicht ausschöpfen. Durch die weiter andauernde Chancenungleichheit in Schulen sind viele stark von Perspektivlosigkeit betroffen. Viele werden bei der Arbeitssuche auf Grund ihres Migrationshintergrunds abgelehnt oder in anderer Form diskriminiert. Daraus resultieren häufig kurze Arbeitsverhältnisse wie Zeit- oder Leiharbeit, in denen sie stark unterbezahlt und schamlos ausgenutzt werden. Noch schlimmer ist die Situation für Flüchtlinge, da sie trotz eines Bildungsabschlusses häufig keine Arbeitserlaubnis erhalten. Dies wird dann als Vorwand genutzt, um diese möglichst schnell wieder abzuschieben. Der Erfolg in Karriere für Migrant_innen ist sehr stark von Glück und Zufällen abhängig und tritt trotz vorhandenen Potenzials viel zu selten ein. Daher fordern wir Chancengleichheit für alle Migrant_innen in Deutschland sowie ein besseres Konzept und mehr Maßnahmen, um stärkere Partizipation in der Gesellschaft zu ermöglichen. Weiterhin fordern wir den Stopp der gezielten Abschiebungsverfahren gegen Migrant_innen.

Um all dieser Benachteiligung entgegenzutreten, ist es wichtig, seine Stimme gegen dieses Unrecht zu erheben. Deshalb fordern wir alle Jugendlichen auf, am 1. Mai für Gleichheit, Gerechtigkeit und Frieden zu demonstrieren.

Es lebe der 1. Mai! Bijî Yek Gulan!

KOMCIWAN – Kurdischer Kinder- und Jugendverband e.V.

[1] stand 20.April 2015, http://www.amnesty.de/files/Amnesty_Bericht_Fluechtlinge_ZahlenundFakten_Apr2015.pdf