INTERNATIONALER FRAUENTAG

ZUM INTERNATIONALEN FRAUENTAG

Die Frauenbewegung – Ein noch langer Weg für wichtige Ziele

Ob es nun Weltfrauentag, internationaler Frauentag, oder Frauenkampftag heißt; der 8.März ist zum international anerkannten Tag der Frauen aus aller Welt geworden. Ein kurzer Blick in die Geschichte zeigt, wie es zu diesem besonderen Tag gekommen ist.Die Idee kam zunächst aus den USA. Dort hatten die Frauen der Sozialistischen Partei Amerikas (SPA), bereits 1908 ein Frauenkomitee geschaffen, um einen amerikanischen Tag für das Frauenstimmrecht zu implementieren. Die Idee schlug mit vollem Erfolg ein. Denn auch Frauenrechtlerinnen aus dem bürgerlichen Lager schlossen sich den Forderungen eines Frauenwahlrechts der Sozialistinnen an.
Auf der Internationalen Frauenkonferenz, 1910 in Kopenhagen, wurde dann folgender Beschluss von den deutschen Sozialistinnen Clara Zetkin und Käte Duncker formuliert: „Im Einvernehmen mit den klassenbewussten politischen und gewerkschaftlichen Organisationen des Proletariats in ihrem Lande veranstalten die sozialistischen Frauen aller Länder jedes Jahr einen Frauentag, der in erster Linie der Agitation für das Frauenwahlrecht dient. […]Der Frauentag muß einen internationalen Charakter tragen und ist sorgfältig vorzubereiten.“
Am 19.03.1911, wurde schließlich der erste Frauentag in mehreren Ländern, wie beispielsweise in Deutschland, gefeiert. Es wurde zwar kein genaues Datum forciert, jedoch sollte dieses definitiv im März sein, da der revolutionäre Charakter dieses Tages zum Ausdruck gebracht werden sollte. Außerdem sollte mit den Gefallenen der Märzrevolution 1848 solidarisiert werden und auch die Pariser Kommune 1871 begann im März.
Es folgten Höhen und Tiefen in der internationalen Anerkennung dieses Tages. Denn die Bemühungen der Frauenrechtlerinnen in Deutschland wurden sowohl durch parteiinternes (SPD) Widerstreben und letztlich durch den ersten Weltkrieg überschattet. Erst durch den Beschluss der provisorischen Reichsregierung von SPD und USPD, wurde 1917 das freie, geheime aktive und passive Wahlrecht für Frauen in Deutschland durchgesetzt.
Als am 8. März 1917 in Sankt Petersburg die Arbeiter- und Soldatenfrauen streikten und erstmals auch die ärmeren Bauernfrauen demonstrierten, lösten sie damit die bekannte Februarrevolution in Russland aus. Zu Ehren dieser Frauen wurde während der Internationalen Konferenz kommunistischer Frauen, 1921 in Moskau, der 8. März als internationaler Gedenktag anerkannt.

Damals war der Kampf der Frauen also für ein gleichberechtigtes Wahlsystem geprägt. Wie sieht die Situation heute aus?
In den neuen Bundesländern wird der Frauentag, vor allem in der Arbeitswelt, zelebriert. Üblich ist hier, dass Vorgesetzte ihren Mitarbeiterinnen eine Blume zum Frauentag schenken und ihnen dazu beglückwünschen. Der Frauentag ist bis heute festes Element der ostdeutschen Tradition. Derzeit ist der 8. März in 26 Staaten ein gesetzlicher Feiertag.
Auf internationaler Ebene gibt es seitdem auch verschiedene Programme, um die Benachteiligung der Frauen und Mädchen in verschiedenen Bereichen wie Bildung, Gesundheit, Recht und anderen zu verringern. So gab es seitens der UNICEF und den Vereinten Nationen Initiativen und Programme, die unter anderem folgendes thematisierten: Diskriminierung von Frauen und Mädchen, weibliche Genitalverstümmelung, Zwangs- und Kinderheirat sowie andere Gewalthandlungen insbesondere in Kriegs- und Katastrophengebieten.
In Europa lag der Fokus der vergangenen Jahre auf der Rolle der Frauen in politischen Prozessen, der Herstellung von Chancengleichheit, sowie auf der gleichen Entlohnung bei gleichwertiger Arbeit. Erst vor zwei Tagen, am 6. März 2015, wurde im Bundestag die Frauenquote beschlossen.

Die vergessenen Opfer, wenn Frauen und Kinder zur „Kriegsbeute“ werden…
In Zeiten des Krieges und der bösartigen Gewaltwellen, sind es vor allem Mädchen und Frauen, die immer wieder Opfer von systematischen Vergewaltigungen, Verschleppungen sowie Versklavungen werden. Auch in den derzeitigen Krisengebieten in Westkurdistan blieben kurdische Mädchen und Frauen yezidischer Glaubensrichtung vor der IS- Terrormiliz nicht verschont. Tausende Frauen wurden verschleppt und als Sexsklavinnen unter den Männern der IS-Anhänger aufgeteilt. Bis heute sind noch mehr als 3000 Tausend Frauen und Mädchen verschollen.
Immer wieder werden Frauen und Mädchen Opfer psychischer und physischer Gewalt. Überall auf der Welt erleben sie, wie die Gesellschaft wegschaut, wenn an ihnen Gewalt ausgeübt wird. Als ehrenlose werden sie betitelt und von Familienangehörigen stigmatisiert und verstoßen. Keinerlei Unterstützung erleben sie, um mit den traumatischen Taten abschließen zu können. Oft sehen die Frauen als einzigen Ausweg, um die qualvollen Erinnerungen zu vergessen, den Suizid.
Wie kann es sein, dass Frauen und Mädchen Opfer solcher Demütigungen werden? Wie können wir alle tatenlos wegschauen und solche Themen totschweigen?
Wie können wir von Gleichberechtigung sprechen, wenn keiner seine Stimme erhebt?
Wie können Staaten oder andere Akteure legitimieren, dass Vergewaltigungen an Frauen und Mädchen als Waffe gegen ihre Feinde benutzt werden?
Wie kann ein Familienvater sich das Recht nehmen, seine Frau zu misshandeln, weil sie ihre „Pflichten einer Frau“ nicht erfülle?
Wie können wir von uns behaupten, dass wir „moderne zivilisierte“ Menschen sind, die weg von traditionellen Rollenverteilungen wollen, wenn wir es sind, die unseren Kindern die Unterschiede zwischen Frau und Mann beibringen?

Wir von KOMCIWAN – Kurdischer Kinder- und Jugendverband e.V. fordern:
– die Universalität der Menschenrechte; jeder Mensch, unabhängig von Geschlecht oder anderen
Eigenschaften, hat ein Recht auf sie.
– UN- Resolutionen, die durch Aktionsprogramme die Diskriminierung der Frau beseitigen sowie jegliche Form der Gewalt an Frauen verhindern sollen.
– vernünftige Bildungsprogramme auch in ärmeren Regionen, um die massive Entmündigung dieser Mädchen und Frauen zu überwinden.
Solange die systematische sowie strukturelle Unterdrückung der halben Weltbevölkerung fortgeführt wird, kann eine Weltgesellschaft sich nicht weiterentwickeln, geschweige denn zusammenleben.

Solange der 8.März gefeiert wird, kann weder von Gleichberechtigung die Rede sein, noch von einem Ende derartiger Missstände.

Der Bundesvorstand
08. März 2015